Nichts als ein bestandloses Gespenst

Le Partage (Des Voix), die Installation von Isabella Bordoni, enthält auch Lauftexte, deren im original deutsche Inhalte ich nach und nach hier poste. Dank an Peter Mahr, der dieses Zitat von Schopenhauer aufgespürt hat. Also hier der Originaltext:

Auch kann folgende Betrachtung Dem, welchem sie nicht zu subtil ist,
dienen, sich deutlich zu machen, daß das Individuum nur die Erscheinung,
nicht das Ding an sich ist. Jedes Individuum ist einerseits das Subjekt
des Erkennens, d.h. die ergänzende Bedingung der Möglichkeit der ganzen
objektiven Welt, und andererseits einzelne Erscheinung des Willens,
desselben, der sich in jedem Dinge objektivirt. Aber diese Duplicität
unsers Wesens ruht nicht in einer für sich bestehenden Einheit: sonst
würden wir uns unserer selbst an uns selbst und unabhängig von den
Objekten des Erkennens und Wollens bewußt werden können: dies können wir
aber schlechterdings nicht, sondern sobald wir, um es zu versuchen, in uns
gehn und uns, indem wir das Erkennen nach innen richten, ein Mal völlig
besinnen wollen; so verlieren wir uns in eine bodenlose Leere, finden uns
gleich der gläsernen Hohlkugel, aus deren Leere eine Stimme spricht, deren
Ursache aber nicht darin anzutreffen ist, und indem wir so uns selbst
ergreifen wollen, erhaschen wir, mit Schaudern, nichts, als ein
bestandloses Gespenst.“

Fußnote am Ende des vierten Absatzes von § 54
in: Viertes Buch. Der Welt als Wille zweite Betrachtung: Bei erreichter
Selbsterkenntniß Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben

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